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GPA-djp Jugend

Her mit der Ausbildungsqualität!

Es ist in Mode gekommen, neue Ideen zur Lehrausbildung zu präsentieren. Eine davon war die Idee der Expresslehre, die der Präsident der Wirtschaftskammer, Dr. Christoph Leitl, vorschlug, um dem heraufbeschworenen Fachkräftemangel entgegenzuwirken. In Zukunft sollen AHS MaturantInnen und StudienabbrecherInnen eine Expresslehre absolvieren können, um ins Arbeitsleben einzusteigen.

Zu oft werden bei der Debatte um die Zukunft der Lehrausbildung nur Superlative und leere Floskeln verwendet. Anstatt sich die Fakten anzusehen und die tatsächlichen Probleme zu bearbeiten, werden immer neue Möglichkeiten gesucht, um junge Menschen möglichst günstig zu beschäftigen. Es braucht dabei aber mehr als nur ein Lippenbekenntnis der heimischen Wirtschaft. Wurden 1980 noch 194.089 Lehrlinge in den heimischen Betrieben ausgebildet, waren es im Jahr 2012 nur mehr 125.228. Davon wurden 9.521 Lehrlinge nicht in Betrieben ausgebildet, sondern in überbetrieblichen Ausbildungseinrichtungen, die vom AMS finanziert werden. Insgesamt bedeutet das einen Rückgang um 68.861 Personen. Da nützt es auch nichts, der demographischen Entwicklung – also dem Geburtenrückgang – die Schuld zu geben. Vielmehr muss die duale Ausbildung weiterentwickelt werden.

Betriebe stärker in die Pflicht nehmen

Aktuellen Studien zufolge, bilden also nur mehr 20 Prozent oder 36.640 Mitgliedsbetriebe der Wirtschaftskammer Lehrlinge aus. Da haben alle Änderungen der gesetzlichen Grundlagen für die Lehrausbildung zugunsten der Wirtschaft keinen positiven Effekt gebracht. Auch die Schaffung einer 152 Millionen Euro schweren Lehrstellenförderung konnte keine Steigerung der Lehrlingszahlen herbeiführen. Ganz im Gegenteil, die Betriebe finden immer neue Gründe warum sie keine Lehrlinge ausbilden können. Waren es früher die Kosten, dominiert mittlerweile das Argument, dass die Jugendlichen aus der Pflichtschule kommen und nicht sinnerfassend lesen oder rechnen können, die Diskussion. All das sind nur Ausreden, um bereits gut ausgebildete BMHS AbsolventInnen in ein Lehrverhältnis drängen zu können und ihnen somit viel Geld vorzuenthalten. Dass dies bildungspolitischer Schwachsinn und eine Vergeudung von Ressourcen ist, braucht wohl nicht erwähnt werden.

Steigerung der Ausbildungsqualität

Nach wie vor wird die Lehrstellenförderung (152 Millionen Euro) ohne jegliche Bindung an die Ausbildungsqualität nach dem Gießkannenprinzip an die Betriebe vergeben. Statt der „Gießkanne“ braucht es ein Fördersystem, welches ausschließlich qualitativ hochwertige Ausbildung belohnt. Es ist dringend notwendig, ein Fördersystem einzurichten, das sich an Benchmarks (Teilprüfungen, Erfolgsquote bei der Lehrabschlussprüfung, Ausbildungsdokumentation, Ausbildung der AusbilderInnen…) orientiert. Weiters braucht es eine Fachkräftemilliarde, die von allen Betrieben finanziert wird. Damit könnten sowohl die betriebliche Ausbildung unterstützt, als auch die überbetriebliche finanziert werden. In der Folge würden auch der Staat und vor allem das Arbeitsmarktservice entlastet werden.

In Zukunft kreativer

Um für die zukünftigen Lehrlinge eine attraktive Ausbildung gewährleisten zu können, müssen die Inhalte der Lehrausbildung in Richtung Fremdsprachen und soziale Kompetenz weiterentwickelt werden. Auch finanzielle Anreize, wie die gänzliche Übernahme der Internatskosten durch die Betriebe und höhere Lehrlingsentschädigungen, sind notwendig.
 

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