GPA-djp Jugend - Handelslehrlinge: Nur 40 Prozent arbeiten in ihrem Wunschberuf
GPA-djp Jugend

Handelslehrlinge: Nur 40 Prozent arbeiten in ihrem Wunschberuf

Neues Berufsbild und Vermittlung neuer Kompetenzen soll Abhilfe schaffen

Jeder zweite Handelslehrling muss Überstunden leisten, obwohl das unter 18-Jährigen verboten ist, ein klares Nein zur Arbeit am Sonntag und für 42 Prozent ist der Handel nicht ihr Wunschberuf, was an der oft fehlenden Wissensvermittlung liegen dürfte – das sind die zentralen Ergebnisse der heurigen Befragung der Lehrlinge im Handel, wie sie die Jugend der GPA-djp  jährlich durchführt.

Mehr als die Hälfte leistet regelmäßig Überstunden

Alle 16.332 Handelslehrlinge in Österreich bekamen heuer den Fragebogen, mit 2.050 Retouren beträgt der Rücklauf exakt 12,5 Prozent, womit Helmut Gotthartsleitner sehr zufrieden ist: "Das ist angesichts der Dimension der Umfrage ein sehr gutes Ergebnis". Weniger zufrieden ist der GPA-djp-Bundesjugendsekretär naturgemäß mit einigen Detailergebnissen: Dass auch heuer wieder 57,2 Prozent der Lehrlinge angeben, regelmäßig Überstunden leisten zu müssen, und 4,7 Prozent von ihnen sogar bis zu 15 Stunden monatlich, zeigt, dass es bei den ausbildenden Betrieben diesbezüglich kein Problembewusstsein gibt, ärgert sich Gotthartsleitner: „Immerhin verbietet das Kinder- und Jugendbeschäftigungsgesetz Überstunden für unter 18-Jährige. Trotzdem werden Lehrlinge nach wie vor regelmäßig dafür herangezogen.“

96 Prozent gegen Arbeit am Sonntag

Auch was das Arbeiten am Wochenende betrifft, scheiden sich Theorie und Praxis: Obwohl natürlich auch für Lehrlinge die im Handel allgemein gültige sogenannte Schwarz-Weiss-Regel gilt, wonach auf einen Samstag, an dem nach 13.00 Uhr gearbeitet wird, ein arbeitsfreier Samstag folgen muss, arbeiten 12,4 Prozent an drei Samstagen länger als bis 13.00 Uhr. Rund acht Prozent der Befragten geben überhaupt an, jeden Samstag länger arbeiten zu müssen. "Wir haben offensichtlich noch viel Aufklärungsarbeit vor uns", so Gotthartsleitner. Davon abgesehen hätten 66 Prozent der Befragten am Samstag am liebsten frei, satte 96,5 Prozent der Befragten geben an, am Sonntag nicht arbeiten zu wollen, für 48,1 Prozent wäre Arbeit am Sonntag sogar ein Grund, den Job zu wechseln. "Viel deutlicher kann die Ablehnung zur Sonntagsöffnung kaum ausfallen. Damit ist auch das Argument der Befürworter, dass es junge Menschen nicht stören würde, am Sonntag arbeiten zu müssen, deutlich entkräftet", resümiert Gotthartsleitner.

Neues Berufsbild soll Lehrlinge motivieren

Insgesamt geben 82,1 Prozent der österreichischen Handelslehrlinge an zufrieden mit ihrer Ausbildung zu sein, bei den Kommentaren zu dieser Frage ist aber oft von fehlendem Kundenkontakt und mangelnder Wissensvermittlung die Rede. "In diesem Sinn ist sicher auch der Wert zu deuten, dass 42 Prozent angeben, nicht in ihrem Wunschberuf zu arbeiten", fasst Gotthartsleitner zusammen: "Deswegen ist uns auch das neue Berufsbild Handel, das wir in vielen konstruktiven Verhandlungsrunden gemeinsam mit der Wirtschaftskammer erarbeitet haben, so wichtig. Im neuen Berufsbild wird neben dem Lernen von Englisch auch die Vermittlung von sozialen Kompetenzen, wie Kommunikation und Konfliktfähigkeit, verankert. Unsere Aufgabe wird es sein, gemeinsam mit den JugendvertrauensrätInnen dafür zu sorgen, dass dieses Berufsbild dann auch in den Betrieben ankommt und die Lehrlinge motiviert."

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